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Ganz schön still hier II

Nachdem aller Anfang in der Selbstständigkeit schwer war, hatte ich irgendwann das „OMG, was war denn das für eine Idee“ überwunden und so langsam kehrte Alltag ein. Ich konnte also wieder meinen normalen Gewohnheiten nachgehen: Twitter, Instagram, facebook, Pinterest. Alles wurde wieder regelmäßiger gelesen, kommentiert, geherzt. Und zwar ein paar Wochen lang. Und dann? Dann hatte ich ganz plötzlich die Schnauze voll. Kennt ihr das? Ihr öffnet facebook und lest irgendeinen hirnrissigen Kommentar des Freundes eines Freundes oder bekommt auf Twitter diverse dämliche Retweets nacheinander?! Ich wurde immer genervter.

Wenigstens Pinterest?! Ja, Pinterest sollte mir dann doch wieder etwas Luft und Kreativität verschaffen. Da gibt es immer so viele schöne Dinge. Ja – die gibt es. Nachdem 20. Tab mit „Oh, wie toll das muss ich aber unbedingt machen!“ und dem unbestimmten Gefühl im Netz einfach nicht mehr mit zu kommen habe ich das Fenster wieder geschlossen und mich wieder in die Arbeit und das reale Leben gestürzt.

Und plötzlich fehlte es mir nicht mehr. Was ziemlich komisch war. Denn wenig zu teilen gab und gibt es definitiv nicht. Aber ich wusste nicht wie. Meinen Twitter-Account habe ich geschlossen und einen anderen geöffnet. Der machte dann aber erstmal nichts, auf dem privaten konnte ich mit Followern, die bereits Freundinnen geworden waren kommunizieren. Aber der Rest der Welt interessierte mich erstmal herzlich wenig. Es war eh immer das gleiche, jeder macht das Selbe. Gibt es irgendwelche Aktionen, finde ich sie gleich auf 100 Kanälen – egal ob ich sie gut oder schlecht finde, das nervte mich.

Im Juli waren wir sogar eine Woche in einem wirklich spannenden Urlaub in Dänemark Südfrankreich. So viel zu erzählen, soviele Eindrücke festzuhalten und zu teilen. Und was war? Ich hatte kein Internet, der Mann zwar schon – aber ich verspürte nichtmal das kleinste Bedürfnis, mich über sein Handy einzuwählen und mal ein Bild zu teilen. Im Gegenteil, die meiste Zeit war das Handy in der Ferienwohnung und ich habe nicht ein einziges Bild geknipst.

Wieder zuhause hatte ich endlich wieder W-LAN – yeah! Und jetzt? Hatte ich sonst das dringende Bedürfnis meine Lieblingsblogs nachzulesen, meine Lieblingsinstagrammer zu stalken oder die Twittertimeline bis 10 Tage vorher zu durchforsten machte ich jetzt einfach normal weiter.

Klar, ein paar Bilder habe ich gemacht, aber mehr für mich als für andere. Und yeah, ich freue mich wirklich darüber, wirklich jede Woche (seit der 12.) ein Schwangerschaftsbild hochzuladen. Aber was war denn los? War mir das Internet egal geworden? War ich am Ende keine Bloggerin mehr? Seit 6 Monaten keinen Beitrag mehr, die Kommunikation mit anderen Bloggern auf ein Minimum reduziert – sollte ich jetzt wirklich noch zu Bloggen mit Herz? Lohnt sich das Ding mit dem Internet überhaupt noch…? Diese Gedanken kreisen nun schon seit ein paar Tagen in meinem Kopf herum.

Und dann? Dann habe ich mir Urlaub genommen. Urlaub von der Arbeit, vom Haushalt, vom Internet. Und habe Sachen für mich gemacht – NUR FÜR MICH. Naja – nicht ganz, ich habe auch was für’s Baby genäht. Aber ich war z.B. Stoff gucken und kaufen, 2 1/2 Stunden lang. Alleine. Es war herrlich. Denn ich hatte die Zeit und fand es schön, mal an nichts anderes zu denken. Und dann habe ich doch wieder das Internet geöffnet und stundenlang nach Schnittmustern gesucht, aber auch wirklich nur danach. Und dann ein Pinterest-Board eröffnet für Baby-Sachen. Nur um die zu sortieren natürlich. Und dann mit Freundinnen über Twitter geschrieben, was die denn so genäht haben. Und dann Schnittmuster ausgedruckt und zusammengesetzt. Und dann Musik angemacht und genäht. Und so langsam aber sicher wurde ich wieder kreativ. Habe Schnittmuster kombiniert und geändert und plötzlich war da der Wunsch, das mit euch zu teilen. Ganz von alleine und ganz leise…

Manchmal ist also wirklich alles zuviel. Das Internet kann einem ganz schön auf den Keks gehen. Und der selbstgemachte Druck den man sich macht, der immer schlimmer wird mit jeden Tag an dem man nichts gebloggt/getwittert/geteilt hat, kann einen fertig machen. Was euch in so einer Situation hilft, weiß ich nicht. Mir hat der Rückzug in mein kreatives Kämmerlein wirklich sehr geholfen.

Und jetzt? Nachdem ich am Wochenende das bezaubernde Frl. Weiss wieder gesehen habe (ich hatte sie auf dem letzten Bloggen mit Herz kennengelernt), war mir klar: Niemals gebe ich das Bloggen auf. Wieviele wunderbare Menschen ich dadurch schon getroffen habe, all die Ideen und die Kreativität!! Und all die Menschen und Ideen die noch kommen werden. Wie wunderbar das wird!

In diesem Sinne: Danke, liebes Internet, dass es dich gibt. <3

Es wird alles wieder gut. Und solange es uns nicht gut geht, ist es nicht das Ende.


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